Nachhaltiges und soziales Design – Eindruck der Mainzer Designgespräche 2019

Leerer Raum, vorbereitet für die Veranstaltung
Vortragssaal im Landesmuseum Mainz

Die Mainzer Designgespräche standen in diesem Jahr unter dem Motto „Sozial, ökologisch, ökonomisch – Potenziale einer nachhaltigen Design-Strategie“. – Da musste ich natürlich hin.

Design ist zwar nicht mein Business, aber wer Texte schreibt und Kommunikationskonzepte entwickelt, sollte wissen, was die Kollegen aus der Visualisierung umtreibt. Das ist jedenfalls meine Meinung.

Und so begab ich mich an einem regnerischen Junitag nach Mainz ins Landesmuseum, um alte Bekannte zu treffen. Innovationsberater Tom Klose von supernju zeigte Beispiele für nachhaltiges Design. Peter Post, Geschäftsführer der Agentur Scholz & Volkmer, führte in die Ethik des Behavioural Design ein.- Tina Tunali.moderierte.

Tom Klose im Café des Landesmuseums.
Tom Klose schaut nochmal durch seine Präsentation. Gleich geht´s los.

Tom Klose: „Design ist everything. Everything!“

„Design ist everything. Everything!“  – ist das Motto von Tom Kose. Tom hat Kommunikationsdesign studiert und entwickelt mittlerweile Produkte.

Tom zeigt in seinem Vortrag Beispiele für nachhaltiges Design. Das Angebot für nachhaltig produzierte Kleidung, Schuhe und Einrichtungsgegenstände wächst seit einigen Jahren enorm. Ständig entstehen neue Label und alte, wie zum Beispiel Birkenstock – viele Jahrzehnte beliebt bei Kellnerinnen und Fußkranken – werden plötzlich hip.

Das Problem an nachhaltigen Produkten: die Produkte sind langlebig. Das heißt, die Unternehmen machen zwar einen höheren Gewinn beim Verkauf, weil die Produkte hochwertig sind und teuer verkauft werden können, aber langfristig verdienen die Unternehmen weniger.

Was können sie also tun, um weiterhin mit Gewinn zu arbeiten? – Toms Vorschlag: die Unternehmen könnten Serviceleistungen anbieten, wie zum Beispiel Reparaturen, Ersatzteile und Upgrades.

So sehr mir diese Idee gefällt –  neu ist sie nicht. Meine Omas, geboren 1905 und 1910, nutzten diese Services auch schon oder sorgten selbst dafür. Und sie dachten darüber gar nicht lange nach. Solche Dinge waren früher einfach selbstverständlich.

Peter Post vor einer leinwand.
Schnappschuss von Peter Post

Peter Post: Behavioural Design – Lug, Trug, Hinterlist?

Peter Post, Geschäftsführer der Agentur Scholz & Volkmer, zeigt Beipiele für Behavioural Design, dieses Design soll das Verhalten beeinflussen.

Peter lässt keinen Zweifel daran, dass man Behavioural Design sowohl menschenfreundlich als auch im Sinne von schwarzer Magie einsetzen kann. Er zeigt dann auch gleich ein paar Beispiele.

So hat ein Club in London blaue Beleuchtung. Denn bei blauem Licht können Junkies ihre Adern nicht mehr erkennen. Sie werden den Club also wahrscheinlich eher meiden.

Eine Bank im Bahnhof hat bequeme Armstützen. Ist das gut oder schlecht? – Wie man´s nimmt. Menschen, die auf einen Zug warten, empfinden die Stützen wahrscheinlich als komfortabel. Ein Obdachloser, auf der Suche nach einem Schlafplatz, fühlt sich eher gefickt.

Ein besonders berühmtes Beispiel für Behavioural Design stammt übrigens aus der Antike: das Trojanische Pferd. Es wurde von den Griechen vor den Mauern Trojas zurückgelassen und später von den Trojanern in die Stadt gebracht. Als alle schliefen, stiegen griechische Soldaten aus dem riesigen Pferd und legten Troja in Schutt und Asche.

Tom Klose und Peter Post am Küchentisch. Daneben die Moderatorin Tina Tunali
Tom Klose und Peter Post am Küchentisch. Daneben Moderatorin Tina Tunali.

Diskussion am Küchentisch

In der anschließenden „Diskussion am Küchen-Tisch“, einer Runde mit wechselnden Gesprächpartnern aus dem Publikum, spricht sich auch Peter deutlich für mehr Nachhaltigkeit aus. Ihm geht die Entwicklung insgesamt zu langsam. Und er kritisiert auch deutlich, dass viele Unternehmen, statt ernsthaft nach Lösungen zu suchen, lieber Greenwashing betreiben.

Das heißt, am Kerngeschäft wird nichts verändert. Statt dessen setzt man unter dem Label Corporate Social Responsibility (CSR) soziale Add ons ein, die das Unternehmen sozial und attraktiv erscheinen lassen. Man gründet zum Beispiel am Firmensitz eine Soziale Stiftung, während gleichzeitig in Asien unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert wird.

Doch es gibt auch Postives zu berichten. „Seit es vor ein paar Jahren den Skandal um Aluminium-Deos gab, hat fast jeder Anbieter mindestens ein aluminiumfreies Deo im Angebot“, weiß eine Diskutantin. Die Öko-Unternehmen, für die aluminiumfrei schon lange selbstverständlich ist, nicht mitgerechnet.

Die Bereitschaft, sich für Nachhaltigkeit einzusetzen und auch entsprechende Produkte zu kaufen wächst. Zumindest bei denjenigen, die es sich leisten können.

Die Fotos wurden im Halbdunkel mit dem Smartphone gemacht und sind unbearbeitet.

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